Was ist wirklich passiert - 

02-09-2026 08:20:59 - Von Johannes und Claudia Gorbach

Was ist wirklich passiert - und was haben wir daraus gemacht?

Wir beobachten eine Reaktion und glauben oft schon zu wissen, was sie bedeutet. Doch zwischen dem, was tatsächlich wahrnehmbar ist, und unserer Erklärung dafür liegt ein wichtiger Unterschied. Claudia Gorbach, Initiatorin und Mitentwicklerin von HumanSystemic, sieht in dieser Trennung eine wesentliche Voraussetzung dafür, menschliche Situationen differenzierter zu verstehen.

Was ist wirklich passiert - und was haben wir daraus gemacht?

Wenn aus Wahrnehmung Bedeutung wird

Ein Mensch wird in einem Gespräch plötzlich leiser. Sein Blick richtet sich nach unten. Nach einer Frage entsteht eine längere Pause.


Was ist passiert?


Die naheliegende Antwort könnte lauten: Das Thema belastet ihn. Vielleicht ist er traurig. Vielleicht hat er Angst oder fühlt sich unwohl.


Doch genau betrachtet wissen wir zunächst nur etwas anderes: Die Stimme wurde leiser, der Blick veränderte sich und es entstand eine Pause.


Alles Weitere ist bereits Interpretation.


Diese Unterscheidung erscheint auf den ersten Blick klein. Für Claudia Gorbach berührt sie jedoch eine grundlegende Frage im Umgang mit Menschen: Wie viel von dem, was wir über eine Situation zu wissen glauben, haben wir tatsächlich wahrgenommen – und wie viel haben wir selbst hinzugefügt?

Wir sehen nicht ohne Vorgeschichte

Wahrnehmung geschieht nicht losgelöst von der eigenen Person. Erfahrungen, Erwartungen, Überzeugungen und persönliche Bewertungen beeinflussen, worauf Menschen achten und wie sie das Wahrgenommene einordnen.


Dadurch kann derselbe Vorgang unterschiedlich beschrieben und verstanden werden.


Hinzu kommt: Auffällige Informationen erhalten schnell mehr Gewicht als andere. Bestehende Überzeugungen können dazu führen, dass passende Hinweise stärker beachtet werden. Eigene Erfahrungen oder Gefühle können auf eine andere Person übertragen werden. Und aus wenigen Beobachtungen kann bereits eine weitreichende Schlussfolgerung entstehen.


Das bedeutet nicht, dass Interpretationen grundsätzlich falsch sind. Ohne Einordnung wäre Verständnis kaum möglich.

Entscheidend ist vielmehr, Beobachtung und Interpretation nicht miteinander zu verwechseln.


Eine Interpretation ist zunächst eine mögliche Erklärung – noch keine feststehende Tatsache.

Die eigene Erklärung offenhalten

Genau an dieser Stelle setzt die Wahrnehmungsphase innerhalb von HumanSystemic an.


Claudia und Johannes Gorbach haben die HumanSystemic-Methode so strukturiert, dass Wahrnehmung bewusst vor der weiteren Einordnung steht. Innerhalb der ORDO-Prozessarchitektur bildet sie die erste von fünf Phasen.


Das Ziel besteht zunächst darin, Informationen möglichst offen aufzunehmen: beobachten, zuhören, Veränderungen wahrnehmen und dabei mit schnellen Bewertungen zurückhaltend zu sein.


Erst wenn ausreichend Informationen vorhanden sind, folgt die Differenzierung. Beobachtungen werden verglichen, Unterschiede herausgearbeitet und mögliche Zusammenhänge betrachtet.


Diese Reihenfolge schützt nicht davor, sich jemals zu irren. Sie schafft jedoch Raum für eine wichtige Haltung: Die erste Erklärung muss nicht die richtige sein.

Ein Zusammenhang ist noch keine Ursache

Auch wenn sich Beobachtungen wiederholen, bleibt Sorgfalt notwendig.


Tritt beispielsweise eine bestimmte Reaktion mehrfach bei einem bestimmten Thema auf, kann darin ein relevanter Zusammenhang liegen. Daraus unmittelbar eine Ursache abzuleiten, wäre jedoch ein weiterer Schritt.


HumanSystemic arbeitet deshalb mit möglichen Zusammenhängen zunächst als Hinweise beziehungsweise Arbeitshypothesen, die weiter geprüft werden. Auch zeitliche Nähe allein wird nicht automatisch als ursächlicher Zusammenhang verstanden.


Gerade bei komplexen menschlichen Anliegen können verschiedene Ebenen gleichzeitig eine Rolle spielen. Persönliche Erfahrungen, Beziehungen, Lebensumstände und aktuelle Ereignisse können miteinander verbunden sein, ohne dass sich alles auf eine einzige Ursache zurückführen lässt.

Genaues Wahrnehmen braucht Offenheit

Für Claudia Gorbach liegt darin auch eine Frage der Haltung gegenüber anderen Menschen.


Wer bereits zu wissen glaubt, warum sich jemand auf eine bestimmte Weise verhält, betrachtet weitere Informationen leicht durch diese Erklärung. Wer dagegen zwischen dem Beobachteten und der eigenen Interpretation unterscheiden kann, hält zunächst mehrere Möglichkeiten offen.


Das erfordert Aufmerksamkeit und manchmal auch Geduld.


Nicht jede Pause muss sofort erklärt werden. Nicht jede Reaktion benötigt unmittelbar eine Bedeutung. Und nicht jede Vermutung muss sofort zur Gewissheit werden.


Manchmal beginnt ein differenzierteres Verständnis mit einer einfachen Frage:


Was habe ich tatsächlich wahrgenommen – und was glaube ich, dass es bedeutet?


Diese Unterscheidung löst noch kein Problem.


Aber sie kann verhindern, dass eine vorschnelle Erklärung den Blick auf das verstellt, was sich tatsächlich zeigt.

Über Claudia Gorbach

Claudia Gorbach ist Initiatorin der Marke HumanSystemic und Mitentwicklerin der HumanSystemic-Methode. Ihre langjährige Erfahrung in der Begleitung persönlicher Entwicklungs- und Veränderungsprozesse floss gemeinsam mit Johannes Gorbachs Kompetenz in Prozessdenken, Strukturentwicklung und Didaktik in die Entwicklung von HumanSystemic ein.

Mehr über Claudia Gorbach und HumanSystemic erfahren

Weitere Informationen zu HumanSystemic und zur Arbeit von Claudia Gorbach finden Sie hier:

Johannes und Claudia Gorbach

Johannes und Claudia Gorbach

CEO www.institutgorbach.com
http://www.institutgorbach.com/