HumanSystemic Ehrenkodex
Präambel
HumanSystemic stellt den Menschen, seine Würde, seine Selbstbestimmung und seine Eigenverantwortung in den Mittelpunkt der Begleitung.
HumanSystemic geht davon aus, dass nachhaltige Veränderung im Menschen selbst geschieht. Der HumanSystemic Practitioner verändert den Menschen nicht und löst seine Probleme nicht für ihn. Er begleitet ihn dabei, Zusammenhänge und Ursachen zu erkennen, eine stimmige Ordnung in seinem eigenen System wiederherzustellen und daraus entstehende Veränderungen selbst zu vollziehen und zu integrieren.
Der ORDO-Begleitprozess mit den fünf Phasen Wahrnehmung, Differenzierung, Ordnung, Transformation und Integration gibt dieser Begleitung einen klaren strukturellen Rahmen.
Mit diesem Ehrenkodex verpflichten sich HumanSystemic Practitioner zu einer verantwortungsvollen, respektvollen und professionellen Ausübung ihrer Tätigkeit.
1. Würde und Wohl des Menschen
Ich achte die Würde, Persönlichkeit, Individualität und persönliche Lebenswirklichkeit jedes Menschen.
Das Wohl des Menschen ist ein grundlegender Maßstab meines Handelns. Ich begegne der Klientel respektvoll und wertschätzend und achte ihre persönlichen Grenzen.
Ich nutze weder Vertrauen noch Abhängigkeiten, Unsicherheit, Notlagen oder besondere Verletzlichkeit zu meinem eigenen Vorteil.
2. Selbstbestimmung und Eigenverantwortung
Ich respektiere das Recht jedes Menschen, über sich selbst, seinen Weg und die für ihn geeignete Form der Begleitung frei zu entscheiden.
Ich treffe keine Entscheidungen für die Klientel und dränge ihr weder meine persönlichen Überzeugungen noch meine eigenen Vorstellungen von einer richtigen Lösung auf.
Ich verstehe HumanSystemic als Begleitung zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.
Der Mensch verändert sein System selbst. Meine Aufgabe besteht darin, diesen Prozess fachkundig und verantwortungsvoll zu begleiten.
3. Rolle und Verantwortung des HumanSystemic Practitioners
Ich verstehe mich als Begleiter eines menschlichen Entwicklungs- und Veränderungsprozesses.
Ich bin weder Problemlöser noch Heiler. Ich übernehme Verantwortung für die Qualität meiner Begleitung und für mein eigenes Handeln, nicht jedoch die Verantwortung für Entscheidungen und Veränderungen, die der Mensch selbst vollzieht.
Ich führe den Begleitprozess entsprechend der HumanSystemic- und ORDO-Grundsätze und wahre dabei jederzeit die Eigenständigkeit der Klientel.
4. Kompetenz und Grenzen
Ich arbeite ausschließlich mit Methoden, Werkzeugen und Vorgehensweisen, für deren Anwendung ich über die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen verfüge.
Ich setze Methoden nur ein, wenn ich deren Anwendung in der jeweiligen Situation fachlich vertreten und die möglichen Wirkungen und Folgen meines Handelns verantworten kann.
Ich erkenne die Grenzen meiner eigenen Kompetenz und handle entsprechend.
Wo eine Fragestellung meine fachlichen oder persönlichen Möglichkeiten überschreitet, kommuniziere ich dies offen und ziehe, soweit erforderlich, andere geeignete Fachpersonen hinzu oder empfehle deren Einbeziehung.
5. Wahrnehmung und Differenzierung
Ich behandle Wahrnehmungen mit der notwendigen Sorgfalt.
Ich unterscheide zwischen Wahrnehmung, Interpretation, eigener Erfahrung und persönlicher Überzeugung und bin mir bewusst, dass meine eigene Person Einfluss auf meine Wahrnehmung und Beurteilung haben kann.
Ich erhebe meine eigenen Wahrnehmungen und Interpretationen nicht zur unumstößlichen Wahrheit für einen anderen Menschen.
Im Sinne des ORDO-Begleitprozesses gilt für mich:
Wahrnehmung vor Interpretation. Differenzierung vor Intervention.
6. Verantwortungsvolle Prozess- und Methodenarbeit
Methoden und Techniken sind für mich Werkzeuge innerhalb eines Begleitprozesses. Sie sind kein Selbstzweck.
Ich wähle sie entsprechend dem Menschen, seinem Anliegen, der jeweiligen Situation und dem Verlauf des ORDO-Prozesses aus.
Ich führe keine Intervention allein deshalb durch, weil sie mir möglich ist.
Stabilität hat Vorrang vor Intensität. Ich achte darauf, dass Veränderungsprozesse für den Menschen tragfähig bleiben und dass Transformation und Integration zusammengehören.
7. Vertraulichkeit
Ich bewahre Stillschweigen über persönliche Informationen und alles, was mir im Rahmen einer HumanSystemic-Begleitung anvertraut oder bekannt wird.
Ich behandle Aufzeichnungen, Falldokumentationen und sonstige persönliche Informationen vertraulich und schütze sie vor unbefugtem Zugriff.
Werden Fälle zu Ausbildungs-, Supervisions- oder Reflexionszwecken verwendet, achte ich darauf, die betroffenen Personen und ihre persönlichen Informationen angemessen zu schützen.
Ich behandle alle mir anvertrauten Informationen vertraulich und beachte dabei die für meine Tätigkeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
8. Anerkennung anderer Fachrichtungen und Zusammenarbeit
HumanSystemic versteht sich nicht als Konkurrenz zu anderen Methoden, Beratungsformen oder Fachrichtungen.
Ich respektiere andere fachliche Ansätze und erkenne an, dass für einen Menschen unterschiedliche Formen der Beratung, Begleitung oder Behandlung hilfreich oder notwendig sein können.
Ich bin bereit, im Interesse der Klientel mit entsprechend qualifizierten Fachpersonen zusammenzuarbeiten.
Eine bestehende oder notwendige medizinische, psychotherapeutische oder andere fachliche Behandlung wird durch eine HumanSystemic-Begleitung nicht eigenmächtig ersetzt oder beendet.
Die freie Entscheidung der Klientel über die von ihr gewünschten Beratungs-, Begleitungs- und Behandlungsformen bleibt gewahrt.
9. Persönliche und professionelle Integrität
Ich gestalte die Beziehung zur Klientel klar, respektvoll und professionell.
Ich missbrauche meine Rolle, mein Wissen oder das mir entgegengebrachte Vertrauen nicht zur persönlichen, emotionalen, weltanschaulichen oder wirtschaftlichen Einflussnahme.
Ich informiere transparent über meine Leistungen und die damit verbundenen Honorare.
Wirtschaftliche Interessen dürfen die fachlichen Entscheidungen innerhalb einer HumanSystemic-Begleitung nicht bestimmen.
10. Selbstreflexion und persönliche Verantwortung
Ich bin mir bewusst, dass meine eigene Person ein wesentliches Instrument der Begleitung ist.
Deshalb reflektiere ich meine eigenen Wahrnehmungen, Reaktionen, Überzeugungen, Motive und Grenzen.
Ich bin bereit, meine Arbeitsweise kritisch zu hinterfragen, Feedback anzunehmen und bei Bedarf Supervision, kollegialen Austausch oder weitere fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Persönliche Entwicklung und fachliche Weiterentwicklung verstehe ich als fortlaufenden Bestandteil meiner Verantwortung als HumanSystemic Practitioner.
11. Verantwortung gegenüber HumanSystemic
Ich wende HumanSystemic entsprechend meiner erreichten Ausbildung und Kompetenz an.
Ich verwende Bezeichnungen, Qualifikationen und Zertifizierungen nur in dem Umfang, zu dem ich tatsächlich berechtigt bin.
Ich respektiere die Grundprinzipien, die Prozessarchitektur ORDO sowie das Menschenbild von HumanSystemic und stelle meine Tätigkeit nicht in einer Weise dar, die über meine tatsächliche Qualifikation oder die Möglichkeiten von HumanSystemic hinausgeht.
Ich trage durch mein persönliches und professionelles Handeln dazu bei, die Qualität und Integrität von HumanSystemic zu erhalten.
Verpflichtung
Als HumanSystemic Practitioner erkenne ich diesen Ehrenkodex als Grundlage meines professionellen Handelns an.
Ich verpflichte mich, die Würde, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Menschen, die ich begleite, zu achten, meine Fähigkeiten verantwortungsvoll einzusetzen und die Grenzen meiner Kompetenz zu respektieren.
Ich verstehe meine Aufgabe nicht darin, Menschen zu verändern, sondern darin, sie fachkundig durch ihren eigenen Prozess zu begleiten.
Der Mensch verändert sein System selbst.



